Neue Zonierung / Revit 2027

Was hat Autodesk verändert – und warum?

Bereits seit Revit 2022 existieren sogenannte Systemzonen, die ein eigenes Typsystem mitbringen. In Revit 2027 lösen sie die klassischen Zonen vollständig ab.

Öffnet man ein Projekt aus Revit 2026 oder älter in Revit 2027, konvertiert Revit die vorhandenen HLK-Zonen automatisch in einen neuen Elementtyp des gleichen Namens, der intern auf Systemzonen basiert. Was sich nach einer sauberen Migration anhört, entpuppt sich bei näherer Betrachtung als ein Rettungsanker für Bestandsdaten, aber nicht als tragfähige Lösung für die Zukunft.

Die vier Schwierigkeiten der Zonen in Revit 2027

1. HLK-Zonen sind ein Auslaufmodell

HLK-Zonen können weder über die Benutzeroberfläche noch über die Programmierschnittstelle neu erstellt werden – man kann lediglich konvertierte, bereits vorhandene bearbeiten. Wer also in Revit 2027 von Grund auf plant, hat mit HLK-Zonen keine Chance. Sie sind von Anfang an als Übergangslösung angelegt.

2. MEP-Räume dürfen in mehreren Zonen desselben Typs liegen

Ein MEP-Raum kann gleichzeitig mehreren Systemzonen des gleichen Typs zugeordnet sein. Das klingt flexibel, führt in der Praxis aber zu mehrdeutigen Zuständen und macht eine saubere Auswertung nahezu unmöglich.

3. Temperaturen sind Typparameter – nicht Exemplarparameter

Bisher ließen sich Soll-Temperaturen direkt am Zonenexemplar pflegen. In Systemzonen sind Heiz- und Kühlgrenzwerte Typparameter. Das bedeutet: Für jede Temperaturkombination braucht man einen eigenen Typ. Beim Konvertieren erzeugt Revit entsprechend viele Typen (HLK-Zone 1, HLK-Zone 2, … HLK-Zone N) – je nachdem, wie viele unterschiedliche Temperaturprofile im Projekt vorhanden waren.

4. Zonen sind ebenenenabhängig – und das macht die Bearbeitung zum Problem

HLK-Zonen und generische Zonen sind an eine bestimmte Ebene gebunden. Beim Konvertieren werden die MEP-Raum-Zonen-Zuordnungen zwar 1:1 übernommen, aber beim anschließenden Bearbeiten gilt: Eine Zone akzeptiert nur MEP-Räume auf derselben Ebene. Man kann also bestehende Zuordnungen übernehmen, aber kaum noch flexibel anpassen – zum Beispiel bei geschossübergreifenden Zonen.

 

Unser Fazit: Das können wir so nicht verwenden

Das neue Zonensystem erfüllt leider keinen der Ansprüche, die wir bisher an Zonen gestellt haben. Daher haben wir uns gefragt: Was wollten wir mit Zonen eigentlich erreichen – und wie kommen wir auf anderem Weg dahin?

Was Zonen gut konnten: Gleiche Attribute schnell an eine Gruppe von MEP-Räumen vergeben – inklusive Temperaturen und weiterer Revit-eigener Parametrik.

Was das jetzt ersetzt: Schlüssellisten. Seit Revit 2022 sind sie deutlich leistungsfähiger als früher und eignen sich hervorragend dafür, neben Temperaturen noch weitere raumtypische Parametrik systematisch zu definieren und mittels Schlüsselzuweisung gebündelt an Räume zu vergeben. Früher wäre das mangels Unterstützung gemeinsam genutzter Parameter kaum nützlich gewesen – heute ist es die bessere Lösung.

Was passiert, wenn ich ein Bestandsprojekt in Revit 2027 öffne?

Für LINEAR-Anwender gilt: Alles sieht zunächst wie gewohnt aus. Die Zonierung wird in eine passende Schlüsselliste konvertiert, und die Gebäudeerfassung läuft mit allen bisherigen Daten weiter.

Im Hintergrund passiert dabei Folgendes:

  1. Schlüsselliste anlegen – Eine neue Schlüsselliste mit dem Namen „Zonen (konvertiert)" und dem Schlüsselparameternamen „Zone" wird erstellt. Diese lässt sich anschließend weiter nach Belieben anpassen.
  2. Neue Parameter hinzufügen – Es werden zwei neue Parameter angelegt: Zone.HeatingSetPoint und Zone.CoolingSetPoint.
  3. Zonen in Schlüssel konvertieren – Alle bisherigen Zonen werden in Schlüssel überführt, inklusive Zonenname und den zugehörigen Temperaturen.
  4. Schlüssel den MEP-Räumen zuweisen – Jeder MEP-Raum erhält den passenden Schlüssel entsprechend seiner bisherigen Zonenzuordnung.
  5. Parameterverwaltung anpassen – Die Zonentemperaturen werden auf die entsprechenden Felder der Schlüsselliste gemappt. Je nach Priorität bleibt die Raumtemperatur individuell setzbar oder ist schreibgeschützt, weil sie durch den Schlüssel (früher: Zone) vorgegeben wird.

Neuen Bereichstyp einfügen – Damit die konvertierten „Zonen" direkt in der Zonierungs-UI nutzbar bleiben, wird ein neuer Bereichstyp auf Basis des neuen Schlüsselparameters eingefügt.

Hinweise und Sonderfälle

  • Bestandsprojekte vs. Neuprojekte: Die beschriebene Konvertierung gilt ausschließlich für bestehende Projekte. Bei neuen Projekten in LINEAR 26.1 wird aktuell noch nichts automatisch angelegt – hier startet man auf einer grünen Wiese und richtet sich alles nach eigenen Vorstellungen ein. Wir arbeiten daran, hierfür künftig eine LINEAR-typische Startunterstützung für die Nutzung intelligenter Schlüssellisten anzubieten.

Die Standardzone wird nicht konvertiert: Revit's eingebaute Standardzone ist für uns in Revit 2027 nicht nutzbar. Wenn alle Räume eines Projekts auf dieser Standardzone liegen, findet daher keine Konvertierung statt. Hier gilt das gleiche, wie für Neuprojekte.

Bei Fragen zur Migration eurer Projekte oder zum neuen Umgang mit Schlüssellisten steht euch unser Support-Team gerne zur Verfügung.


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