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Häufig wird BIM als mehrdimensionale Planungsmethodik dargestellt, bei der ein 3D-Modell mit Informationen zur Terminplanung (4D), Kostensteuerung (5D), Nachhaltigkeit (6D) usw. angereichert wird. Jede neue Dimension nach der Zeitachse steht nicht für eine Dimension im physikalischen Sinne, sondern eher metaphorisch für weitere Freiheitsgrade, um die das Modell angereichert werden kann. Dies ist bemerkenswert, da der Begriff Dimension nur noch untergeordnet im eigentlichen Sinne Verwendung findet. Es kann dabei der Eindruck entstehen, dass die höheren Dimensionen im Planungsprozess nachgeschaltet sind und als „Kür“ verstanden werden können. Die Kosten sind jedoch ein essenzieller Indikator dafür, ob ein Projekt überhaupt weiterverfolgt wird. Eine fehlgesteuerte Optimierung kann zuungunsten der Betriebskosten geschehen, was sich nachteilig auf die Lebenszykluskosten und unter Umständen auf die Nachhaltigkeit des Gebäudes auswirkt. Die höheren „Dimensionen“ wie z. B. Kosten und Nachhaltigkeit müssen daher bereits im frühen Planungsprozess mitbedacht werden.
In der Praxis werden solche Erwägungen – wenn überhaupt – leider oftmals nur spät angestellt. Der eigentlich gewaltige Arbeitsschritt in den frühen Leistungsphasen 1 bis 3, bei dem aus einer Bedarfsplanung ein dreidimensionales Gebäudemodell entstehen soll, bedarf in den meisten populären Darstellungen der Methode BIM keiner gesonderten Erwähnung. Mutmaßlich liegt dies daran, dass in der Regel erste dreidimensionale Modelle auf Basis von intuitiven Überlegungen der beteiligten Architekten entstehen. Die Abbildungstiefe technischer Anlagen wird dabei oftmals auf ein Mindestmaß beschränkt, da technische Erschließungsflächen im Gegensatz zu Nutz- und Verkehrsflächen keinen repräsentativen Wert haben.

Um den Zielkonflikt zwischen architektonischen, konstruktiven und anlagentechnischen Flächen- sowie Raumbedarfen zu durchbrechen, schlägt die DIN EN ISO 19650 vor, eine sogenannte Federations- und Informationscontaineraufteilung vorzunehmen. Was bedeutet das? Nun, im Wesentlichen möchte man erreichen, dass verschiedene Aufgabenteams gleichzeitig an Teilen des Informationsmodells arbeiten können, ohne räumliche oder funktionale Inkompatibilitäten einzuführen. Der Ansatz des sogenannten „BIM nach ISO 19650“ zielt im Wesentlichen darauf ab, die Informationssicherheit zu erhöhen und einen strukturellen Rahmen für die Zusammenarbeit zu schaffen – und das möglichst bevor die einzelnen Teams sich in detaillierte Planungsaufgaben vertiefen. Hierzu sollen räumliche Grenzen definiert werden, innerhalb derer jedes Aufgabenteam die von ihm verantworteten Systeme, Komponenten oder Bauelemente finden sollte. Die ISO 19650 unterscheidet hierbei zwischen primär-linearen und räumlich-komplexeren Strukturen. Primär-lineare Strukturen, wie z. B. Schächte oder Trassen, können durch einen dimensionierten Querschnitt dargestellt werden, komplexere Situationen bildet man idealerweise durch eine Ansammlung ineinandergreifender Störkörper ab. Ein angenehmer Nebeneffekt: In der Arbeitspraxis ist eine permanente Überlagerung unterschiedlicher Detail-Modelle somit hinfällig, für viele Koordinationsaufgaben reicht der Austausch leichtgewichtiger Informationsmodelle.

Der Planungsansatz, den die LINEAR-Software in frühen Phasen verfolgt, bildet diese Empfehlungen in der Disziplin „Trassenkonzept“ geeignet ab. Sie erweitert die grundlegenden Ideen um intelligente Informationscontainer für die strukturelle Abbildung nötiger Räume für unterschiedliche technische Medien und elektrische Systeme. Zum einen wird damit die Planung und Dokumentation von Trassen-Querschnitten mittels intuitiver Werkzeuge vereinfacht, zum anderen werden die gegebenen Informationen genutzt, um eine Dimensionierung der nötigen Informationscontainer zu unterstützen und den Übergang in detaillierte Entwurfsphasen zu vereinfachen. Dies ermöglicht es bereits frühzeitig, Raumbedarfe anhand leichtgewichtiger Modelle zu verabreden.

Eine Herausforderung bei der Erstellung dreidimensionaler Entwurfsmodelle ist vor allem, dass es klassische Modellierungstechniken nicht erlauben, flexibel auf Änderungen zu reagieren. Bewegt man sich auf einem Modellierungsgrad, bei dem seitens der beteiligen Gewerke bereits auf Bauteilebene konstruiert wurde, werden selbst einfachste Änderungen aufwendige Nachbearbeitungen nach sich ziehen. Im Folgenden möchten wir daher einen alternativen Ansatz skizzieren, der es erlaubt, in frühen Planungsphasen gemeinschaftlich auf ein dreidimensionales Vorentwurfsmodell hinzuarbeiten, das die Basis für die weiteren Prozessschritte bildet. Die grundlegenden Prämissen sind dabei eine iterative Modellentwicklung von grob nach fein und die durchgängige Nutzung der Daten über alle Entwicklungsstufen hinweg.

Gebäudemodelle ohne CAD
Die Planung eines Gebäudes beginnt mit der Bedarfsplanung. In dieser Phase werden die Anforderungen und der Platzbedarf von Funktionsbereichen ermittelt. Des Weiteren werden die Beziehungen der Funktionsbereiche zueinander festgelegt. So wird z. B. der Empfang in der Nähe des Gebäudeeingangs oder Toiletten in der Nähe der Kantine platziert. Die sich aus den Anforderungen ergebenden Attribute der Funktionsbereiche sind unter anderem die Anzahl an Personen im Funktionsbereich, die Art und Anzahl von Sanitärzapfstellen, erste thermische Lastabschätzungen und Volumenströme zur Belüftung. In diesem Schritt ist noch nicht zwingend ein geometrisches Modell vorhanden. Eine Herausforderung im weiteren Planungsprozess besteht darin, die funktionale Struktur des Vorhabens sowohl mit einer räumlichen als auch einer technischen Struktur in Einklang zu bringen. Die ermittelten Informationen sollten hierbei möglichst maschinenlesbar in Form eines digitalen Raumbuchs dokumentiert werden (vgl. S. 16, Das Raumbuch als Werkzeug im Planungsprozess). Hierbei darf man sich nicht dazu verleiten lassen, ein Raumbuch als eine Dokumentation der Daten von architektonischen Räumen zu verstehen. Insbesondere in frühen Phasen darf zugunsten einer effizienten Arbeitsweise dabei natürlich zunächst vom konkreten Raum abstrahiert und in weiter gefassten Bereichen gleichartiger Nutzung geplant werden. Beispielsweise würde man einen gesamten Bürobereich adressieren, statt einzelne nebeneinanderliegende Büroräume separat zu betrachten.

Der Weg zu drei Raumdimensionen
Auf Basis einer abgeschlossenen Bedarfsplanung kann eine erste geometrische Modellierung erfolgen. Damit auch hier nicht bereits Entscheidungen getroffen werden, die einen zu engen Korridor für Energie- und Nachhaltigkeitsziele vorgeben, wird ein Ansatz benötigt, der weitere Dimensionen schrittweise unter Abstimmung der strukturgebenden Gewerke einführt.

Die erste Dimension aus Sicht der Architektur stellen die Gebäudehöhen und Geschossigkeiten dar. Diese Freiheitsgrade werden maßgeblich durch den Bestand oder bei Neubauten durch Anforderungen der Auftraggeber, behördliche Vorgaben und die Größe des Baufensters beeinflusst. Auf Basis der Geschosskapazitäten lassen sich aus Sicht der Nutzungsprozesse bereits erste bereichsweise Aufteilungen von Funktionseinheiten vornehmen. Aus Sicht der TGA bilden diese Informationen die erste Planungsbasis für vertikale Verteilkonzepte. So können bereits anhand einfacher schematischer Betrachtungen – in Kombination mit Erfahrungswerten – Abstimmungen über die Lage und Größe von Technikzentralen sowie die vertikale Erschließung mit Versorgungsschächten erfolgen. Eine Dimensionierung solcher Raumbedarfe benötigt hier keine explizite geometrische Netzmodellierung, sondern kann rein auf Basis tabellarischer Summenbildung erfolgen.

Erst bei Hinzunahme der zweiten Raumdimension wird ein gewisser Grad der geometrischen Gestaltung nötig. Allerdings ist es auch hier ratsam, mit einer groben Betrachtung in Bereichen anzufangen, um das Datenmodell leichtgewichtig zu halten und flexibel auf Änderungen reagieren zu können. In diesem Schritt werden seitens der TGA genauere Verortungen der Technikbereiche und Versorgungsschächte vorgenommen und die Verteiltrassen werden grob von den jeweiligen Technikbereichen bis in die einzelnen Funktionsbereiche geführt. Somit wird in diesem Schritt nur festgelegt, von wo und wie die Funktionsbereiche erschlossen werden, aber noch keine explizite Leitungsführung im Funktionsbereich modelliert. Die hat den Vorteil, dass man einfach Änderungen des Konzepts im Trassenkonzept nachführen kann, da eine Trasse in der Regel mehrere Rohrleitungen enthält und bewusst auf die detaillierte Modellierung in den Funktionsbereichen verzichtet wird. Diese beiden Punkte führen dazu, dass trotz hoher Aussagekraft die Anzahl der Objekte im Modell gering gehalten wird und somit der Bearbeitungsaufwand für das Nachführen etwaiger Änderungen klein bleibt. Auf diese Weise können auch ohne großen Aufwand unterschiedliche Varianten erstellt und miteinander verglichen werden. Bei entsprechender Organisation der Raumbuchdaten und der strukturellen Kennzeichnungsmerkmale ist auch hier eine Übertragung ans Modell und eine anschließende Summenbildung zur Ableitung der Dimensionierung möglich. Weiterhin lassen sich mittels der Kombination aus Raumbuchdaten und Trassenkonzepten erste Abschätzungen bezüglich der Materialmengen ableiten.

Die oben beschriebene Vorgehensweise erlaubt es, in frühen Phasen mit überschaubarem Aufwand eine hohe Aussagekraft über technische Variationen bezüglich der Lage der Technikzentralen und Versorgungswege zu generieren und gleichzeitig erforderliche Platzbedarfe hinreichend genau zu benennen.


1. Bedarfsplanung

Beschreibung

  • Kein 3D-Modell vorhanden
  • Ermittlung der Anforderung und des Platzbedarfs von Funktionsbereichen
  • Festlegung der Beziehungen der Funktionsbereiche zueinander

Vorhandene Informationen

  • Gebäudetyp
  • Anzahl Personen
  • Lastabschätzungen
  • Art und Anzahl von Verbrauchern

2. Funktionskonzept

Beschreibung

  • Erstellung eines Konzeptkörpers
  • Verortung der Funktionsbereiche im Konzeptkörper
  • Erstellung von Energie- und Anlagenkonzepten

Vorhandene Informationen

  • Übertragung der Anforderungen aus den Tabellen der Bedarfsplanung an die einzelnen Funktionsbereiche

3. Trassenkonzept

Beschreibung

  • Verortung und Platzbedarf von Technikbereichen der einzelnen Gewerke
  • Festlegung der Schächte zur Versorgung der Etagen
  • Festlegung der Trassen zur Versorgung der Funktionsbereiche

Vorhandene Informationen

  • Technikbereiche als Quelle
  • Funktionsbereiche als Verbraucher
  • Trassen mit Leitungstypen
  • Systemtopologie

4. Modellentwurf

Beschreibung

  • Erstellen von Räumen
  • Trassen in einzelne Rohrleitungen und Luftkanäle umwandeln
  • Modellierung der Leitungsverläufe in den Funktionsbereichen/Räumen

Vorhandene Informationen

  • Anforderungen der Funktionsbereiche werden an Räume übergeben
  • Detaillierte Lastberechnungen
  • Ergebnisse Rohr- und Luftkanalnetzberechnungen

Konflikte vermeiden und Komplexität beherrschen
Die Vorteile einer kollaborativen Planungsweise in frühen Phasen werden deutlich, wenn man sich einen exemplarischen zeitlichen Ablauf anschaut (vgl. Abbildung 2). Der Prozess startet mit einer Bedarfsplanung und nähert sich schrittweise einem ersten groben Konzept für die funktional-räumliche und die technisch-organisatorische Struktur. Die Zahl der Iterationen und der betrachteten Anlagenvarianten kann hierbei durchaus hoch sein, da die konzeptionellen Trassenmodelle gegenüber konventioneller dreidimensionaler Planung leichtgewichtig und flexibel formbar sind. Erst sobald die grobe strukturelle Planung abgestimmt ist, beginnen die einzelnen Gewerke mit der weiteren Detaillierung des Modellentwurfs. Auch hierfür ist ein Trassenkonzept eine gute Ausgangsbasis für spezialisierte Modellierungswerkzeuge. Bei konsequenter und durchgängiger Nutzung der Informationen im Modell ist der Wechsel in einen vorherigen oder nachgelagerten Schritt ohne großen Aufwand möglich. Zur besseren Verdeutlichung sind in der Abbildung 2 die einzelnen Schritte mit einer kurzen Beschreibung und den vorhanden Informationen abgebildet.

Beispielhafte Anwendung
Bedarfsplanung aufstellen
Um einzelne Schritte der TGA-Planung in frühen Phasen zu verdeutlichen, werden wir diese einmal explizit an einem Beispiel erläutern*. Wir betrachten ein kleines Bürogebäude, das mit 50 Arbeitsplätzen ausgestattet werden soll. Es sollen mehrere Besprechungsräume, eine Cafeteria und in den oberen Etagen jeweils ein Aufenthaltsbereich mit Teeküche vorgesehen werden. Aus den ersten Anforderungen des Bauherrn und den baurechtlichen Randbedingungen wird eine erste tabellarische Bedarfsplanung erstellt. Für das vorgesehene Grundstück kann ein Baufenster von ca. 40 m x 20 m mit einer dreigeschossigen Bauweise verwirklicht werden. Auf Basis dieser Randbedingungen werden Funktionsbereiche für Büro, Meeting, WC-Anlagen, Lager/Technik und Verkehrsflächen definiert. Für jede Art der Funktionsbereiche wird der Flächenbedarf für jede Etage festgelegt. Des Weiteren können in dieser Phase bereits spezifische Lasten für Heizen sowie Kühlen, die grundlegende Anforderungen an die Luftqualität, die Belegungsdichte von Personen und die Anzahl an Sanitärzapfstellen angeben werden (vgl. Abbildung 3).

*Bitte beachten Sie, dass zur Verdeutlichung der grundlegenden Methodik einige Vereinfachungen vorgenommen wurden. Bei einem realen Projekt liegen in den einzelnen Phasen unter Umständen wesentlich mehr Informationen vor.

Annäherung zum Funktions- und Trassenkonzept
Aus der Bedarfsplanung soll ein Funktionskonzept abgeleitet werden, in welchem die Funktionsbereiche in einem architektonischen Konzeptkörper verortet und ein Energie- und Anlagenkonzept skizziert sind. Die Positionen der einzelnen Funktionsbereiche und die Wahl der Anlagentechnik haben einen maßgeblichen Einfluss auf die Größe der Versorgungstrassen. Aus diesem Grund erfolgt die Erstellung des Funktionskonzepts in mehreren Iterationsschritten. Hierfür wird zwischen den Planungsbeteiligten durch wiederholten Austausch und Anpassung der Konzeptvorschläge eine schrittweise Annäherung an eine optimale Lösung erarbeitet. In dem Anlagenkonzept wird unter anderem die Art des Heizungs- und Kälteübergabesystems (Heizkörper, Flächenheizung usw.) festgelegt. Aus dieser Angabe leiten sich weitere Randbedingungen, z. B. die Systemtemperaturen und die Spreizung für die Heizungs- und Kälteanlage, ab. Aus den Informationen der Bedarfsplanung lassen sich nun für jeden Funktionsbereich Lasten (Heizen, Kühlen) und Volumenströme (Lüftung, Sanitär) ermitteln. Zusammen mit den Randbedingungen des Energie- und Anlagenkonzepts können Rohrdimensionen ermittelt werden, die wiederum für die Dimensionierung von Schächten und Trassen benötigt werden. 

Im ersten Schritt des Funktionskonzepts werden mit einem Konzeptkörper die Gebäudeumrisse festgelegt und die Funktionsbereiche in jeder Etage am Bauraster verteilt, sodass in etwa die vorgegebenen Flächen der Funktionsbereiche eingehalten werden und die Beziehungen der Funktionsbereiche zueinander optimal abgestimmt sind. Mit diesem Funktionskonzept wird in einem ersten Trassenkonzept die Größe der Technikzentralen festgelegt und wieder mit dem Funktionskonzept abgeglichen. Die für die Technikräume vorgesehenen Funktionsflächen werden an den geschätzten Platzbedarf angepasst, was im Gegenzug wieder Auswirkungen auf die Gestaltung der anderen Funktionsflächen hat. Im nächsten Schritt werden die Positionen und die benötigten Schachtdimensionen ermittelt und erneut mit dem Funktionskonzept abgeglichen. Wenn die Positionen der Technikzentralen und Schächte gut mit dem Funktionskonzept harmonisieren, wird das Trassenkonzept erweitert, wobei im folgenden Planungsschritt die einzelnen Funktionsbereiche in den Geschossen über Trassen an die Schächte angebunden werden sollen. Auch hier können mehrere Schritte erforderlich sein, bis eine optimierte Lösung für das Funktionskonzept sowie für die Positionen und Dimensionen der Schächte und Trassen gefunden ist.

Die einzelnen Schritte im Beispielprojekt
In dem Beispielgebäude sieht das Energie- und Anlagenkonzept vor, dass die Zentralen für Heizung, Kälte und Sanitär im Erdgeschoss und die Lüftungszentrale auf dem Dach positioniert werden sollen. Des Weiteren ist vorgesehen, die Räume mit Deckensegeln zu heizen und zu kühlen. In Abbildung 4 sind die Funktionsbereiche des Erdgeschosses im Konzeptkörper dargestellt. Durch den Import der Bedarfsplanung werden die Informationen an die Funktionsbereiche übertragen und können um die Informationen des Anlagenkonzepts erweitert werden. Mit den Informationen an den Funktionsbereichen kann zum einen ein Abgleich zwischen den geplanten Flächen aus der Bedarfsplanung und den tatsächlichen Flächen im Modell erfolgen. Des Weiteren können mit den Informationen die Lastabschätzungen erfolgen, die für die Trassen und Schachtdimensionierung verwendet werden. Am Gewerk Lüftung wird dieses einmal verdeutlicht. In der Bedarfsplanung sind Personendichte und Luftqualitätsanforderung (Kategorie) für die Funktionsbereiche festgelegt worden. Mit den Werten des festgelegten Gebäudetyps zur Verdünnung von Emissionen (Schadstoffbelastung) kann für jeden Funktionsbereich ein Volumenstrom nach den Regeln der DIN EN 16798-1 ermittelt werden. Für die Sanitärräume werden die Regeln der Arbeitsstättenrichtlinie angewendet, die sich an der Anzahl der WCs und Urinale orientiert, die ebenfalls in der Bedarfsplanung festgelegt wurden.

Um mit der Dimensionierung von Schächten und Trassen durch die Summierung der Volumenströme zu beginnen, sollte vorher mithilfe des Anlagenkonzepts bei jedem Funktionsbereich festgelegt werden, von welcher Anlage diese versorgt wird. So können in dieser Phase schon mehrere Anlagen an ggf. unterschiedlichen Orten im Gebäude oder separater Trassenführung in der Planung berücksichtigt werden. Das Anlagenkonzept in dem Beispiel sieht vor, dass alle Räume von einer Anlage mit Zu- und Abluft versorgt werden, somit ist keine separate Summenbildung pro Anlage erforderlich. In Abbildung 5 ist die Auswertung und Summation der Volumenströme im Modell dargestellt. Da die Anlage auf dem Dach verortet ist, werden die Dimensionen der Leitungen für den Schacht im Erdgeschoss aus der Summe der Volumenströme aller Funktionsbereiche im Erdgeschoss ermittelt. Der Schacht im 1. Obergeschoss wird aus der Summe der Bereiche im Erd- und 1. Obergeschoss und im 2. Obergeschoss aus allen Funktionsbereichen gebildet. Im Modell werden entsprechende Trassenkörper an den Stellen positioniert, an denen die Schächte vorgesehen sind. An den Trassenkörpern wird definiert, welche Leitungstypen durchgeführt werden (Zu-/Abluft, Vorlauf Heizung usw.). Mit den summierten Lasten und Volumenströmen werden für alle Gewerke die Dimensionen der Leitungen der Trassenkörper bestimmt. Für den Lüftungsschacht im Erdgeschoss werden für die Zu- und Abluftkanäle mit dem summierten Volumenstrom von 2 732 m³/h und der gewählten maximalen Geschwindigkeit von 5 m/s die Kanalabmessungen von 450 mm x 350 mm gewählt. Durch die Definition von Trassenquerschnitten mit der Positionierung der Leitungen und Festlegung der Abstände zwischen den Leitungen ergibt sich für die Trassenkörper eine Dimension, die in das Modell übertragen wird. Die positionierten und dimensionierten Schächte werden mit dem Funktionskonzept abgeglichen. Nach mehreren Iterationen wird eine Lösung gefunden, die alle Anforderungen erfüllt. Nun kann anschließend auf dieser Basis die Positionierung und Dimensionierung der Trassen in den Geschossen von den Schächten zu den Funktionsbereichen erfolgen. In Abbildung 6 ist das optimierte Trassenkonzept mit den Technikzentralen des Beispielgebäudes dargestellt. Von den Technikräumen im Erdgeschoss verteilt das grüne Trassensystem die Gewerke Heizung, Kälte und Sanitär zu den einzelnen Funktionsbereichen. Die Lüftung wird durch das gelbe Trassensystem getrennt im Gebäude geführt.

Volumenströme der Funktionsbereiche für das Beispielgebäude
Abb. 5: Berechnete und summierte Volumenströme der Funktionsbereiche für das Beispielgebäude

Der Übergang in den Modellentwurf
Auf Basis des Funktions- und Trassenkonzepts wird ein detaillierteres Architekturmodell entwickelt, das ausreichenden Platzbedarf für eine effiziente Leitungsführung bereitstellt. Die Funktionsbereiche werden nun im Modell in einzelne Räume aufgeteilt. Das Modell wird um weitere Informationen angereichert, sodass detaillierte Lastberechnungen (z. B. Heiz- und Kühllastberechnungen) möglich sind. An den ermittelten Lasten der Räume lässt sich eine große Stärke dieser Arbeitsweise verdeutlichen, nämlich die Durchgängigkeit der Informationen über die einzelnen Schritte: Begonnen wurde in der Grundlagenermittlung mit einer geschätzten spezifischen Heizlast. Die spezifische Leistung wurde im Funktions- und Trassenkonzept genutzt, um die Leitungsdimensionen und damit auch die Dimensionen der Trassen festzulegen. Die nun im Modellentwurf vorliegenden detaillierten Lasten pro Raum können jetzt wieder auf die entsprechenden Funktionsbereiche summiert werden, sodass diesen Lasten für eine erneute Optimierung des Trassenkonzepts genutzt werden können. Allgemein zusammengefasst, werden im Planungsprozess immer mehr Informationen im Modell gesammelt bzw. weiter detailliert und jeder Schritt baut auf den Informationen des vorherigen Schritts auf. Die Erhöhung der Informationsdichte geschieht verlustfrei, sodass die Informationen aus vorhergehenden Planungsschritten jederzeit genutzt werden können, um sich iterativ einer optimalen Planung zu nähern. In dem Beispielgebäude werden, nach der eben beschriebenen Optimierung des Trassenkonzepts, die Leitungen der Trassen generiert, die Verbraucher in den Räumen platziert und angeschlossen (vgl. Abbildung 7).

Die Trassenkörper werden weiter als leichtgewichtiges Koordinationsmodell für die Kollisionsprüfung genutzt. Sie entsprechen hierbei reservierten Raumbedarfen, die mit den anderen Planungsbeteiligten abgestimmt wurden. Wird diese Unterteilung der Zuständigkeitsbereiche strikt verfolgt, müssen aufwendige Abstimmungen mit anderen Planungsbeteiligten nur erfolgen, wenn die reservierten Bereiche durchdrungen werden, wenn bspw. nicht genügend Platz für die Modellierung einer Ausfädelung vorgesehen wurde. In diesem Fall können die kritischen Bereiche gezielt mit anderen Planungsbeteiligten abgestimmt werden.

Ausblick
Die an dem Beispiel verdeutlichte integrale Planungsmethodik kann heute bereits so mit den LINEAR Solutions für Revit umgesetzt werden. In einer kommenden Weiterentwicklung soll die Ermittlung der Leitungsdimensionen in den Trassen allerdings noch weiter vereinfacht werden. Methodisch wird dies möglich, indem wir uns einer Analogie bedienen, in der wir Technikräume als Erzeuger und Funktionsbereiche als Verbraucher ansehen, die über Schächte und Trassen miteinander kommunizieren. Neben der Platzierung der Trassenkörper wird es dann nur noch erforderlich sein, die Übergabepunkte und Deckungsanteile der Medien in den Technikzentralen und Funktionsbereichen zu definieren. Auf Basis dieser Informationen kann aus einem Trassenkonzept eine Systemtopologie abgeleitet werden und – unter Einbeziehung technischer Randbedingungen (z. B. Gleichzeitigkeiten) – können jedem Trassensegment automatisch korrekt dimensionierte Leitungen zugeordnet werden. Die Leitungsdimensionen sind dann – wie gehabt – die Grundlage für die Querschnittsplanung und die Abstimmung von Platzbedarfen für technische Medien. Das berechenbare Trassenkonzept ermöglicht es Anwendern perspektivisch noch einfacher, die frühen Phasen mitzugestalten und intuitive Annahmen seitens der Bauwerksverantwortlichen schnell zu überprüfen. Auch werden Mengenermittlungen auf Basis von Raumbuch- und Trasseninformationen deutlich vereinfacht, sodass ohne großen Aufwand Bewertungen über Kosten und Nachhaltigkeit der verwendeten Materialien angestellt werden können.