LINEAR: Bitte stellen Sie sich und Ihr Unternehmen kurz vor. Wo liegen die Schwerpunkte in Ihrem Leistungsangebot?
Dario Irniger: Ich habe ursprünglich den Beruf des Heizungszeichners erlernt. Direkt nach meiner Lehre entschied ich mich, berufsbegleitend ein Maschinenbaustudium (FH) an der Höheren Technischen Lehranstalt in Zürich zu absolvieren, das ich 1980 erfolgreich abschloss.
LINEAR: Können Sie uns einen Einblick in die Firmengeschichte geben und uns erläutern, in welche Richtung sich Ihr Unternehmen zukünftig entwickeln möchte?
Dario Irniger: 1989 habe ich das Ingenieurbüro Irniger als Einzelfirma gegründet. 1993 erfolgte dann die Umwandlung in eine Aktiengesellschaft. Seit 1974 bin ich in unterschiedlichen technischen Bereichen tätig und konnte dabei umfassende Erfahrungen sammeln – unter anderem in der chemischen Verfahrenstechnik, im Apparate- und Kraftwerksbau, im Werkzeugmaschinen- und Vorrichtungsbau, im Industrieanlagenbau, in der kunststoffverarbeitenden Industrie sowie bei Heißwasser- und Dampfwärmezentralen. Dieses Know-how ist in rund 420 realisierte Projekte eingeflossen und wird von unserer Kundschaft sehr geschätzt.
2020 ist mein Sohn Renato in das Unternehmen eingetreten. Er hat ebenfalls Maschinenbau studiert und zusätzlich einen Master in Wirtschaft abgeschlossen. Wir arbeiten sehr gut zusammen und unser Tätigkeitsgebiet reicht inzwischen auch über die Landesgrenzen hinaus. Wie sich unser Unternehmen künftig weiterentwickelt, wird in erster Linie durch die Bedürfnisse unserer Kundschaft bestimmt. Klar ist jedoch: Wir müssen uns kontinuierlich an das digitale Umfeld anpassen und offen für neue Technologien bleiben.
LINEAR: Gibt es ein Projekt, auf das Sie besonders stolz sind?
Dario Irniger: Es gibt mehrere Projekte, auf die ich besonders stolz bin. Eines möchte ich jedoch hervorheben, auch wenn es schon einige Jahre zurückliegt: den Fabrikneubau nahe St. Pölten in Österreich für einen bekannten Sanitärkonzern. Das Projekt erstreckte sich über drei Jahre, von 1989 bis 1992. Die Planung erfolgte in der Schweiz, die Fachbauleitung wurde vor Ort in Österreich wahrgenommen.
Neben sämtlichen Haustechnikanlagen (TGA) plante ich auch die Kühlwasseranlage für die Spritzgussmaschinen sowie die Nutzung der dabei entstehenden Abwärme für Heizzwecke. Die eingesetzten Kältemaschinen waren damals in ganz Europa die ersten ihrer Leistungsklasse mit Schraubenverdichtern und wurden speziell für diese Anlage gefertigt. Positiv überrascht hat mich damals, dass mich der Architekt frühzeitig in die Konzeption des Fabrikneubaus einbezog. So wurden sämtliche Gebäudeteile über einen begehbaren, unterirdischen Leitungskanal miteinander verbunden, der von den Energiezentralen aus alle Bereiche erschließt. Zusätzlich erhielt ich die Aufgabe, das Maschinenlayout und den Materialfluss für die Halle mit den Spritzgussmaschinen inklusive Kunststoffgranulatanlage zu planen.
Außergewöhnlich an diesem Projekt war für mich nicht nur die technische Herausforderung, sondern auch die Erfahrung, im Nachbarland zu arbeiten und dabei andere Normen sowie behördliche Auflagen kennenzulernen. Vor allem aber war es das erste Mal, dass ich mit so vielen engagierten Menschen außerhalb der Schweiz zusammenarbeiten durfte. Daraus sind Freundschaften entstanden, die bis heute bestehen. Rückblickend war diese Zeit einer der schönsten Abschnitte meiner beruflichen Laufbahn.
LINEAR: Welche Rolle spielen Nachhaltigkeit und Klimaschutz in Ihren Projekten?
Dario Irniger: Nachhaltigkeit und Klimaschutz gewinnen in unseren Projekten zunehmend an Bedeutung. In den letzten Jahren ist die Zahl der Sanierungsprojekte, bei denen fossile Heizsysteme durch nicht-fossile Lösungen ersetzt werden, deutlich gestiegen. Auch in der Industrie haben sich die Anforderungen in diesem Bereich spürbar erhöht. Wir prüfen deshalb konsequent, wo sich beispielsweise Abwärme sinnvoll nutzen lässt, um Prozesse effizienter zu gestalten. Dabei legen wir großen Wert darauf, dass die gewählten Maßnahmen einen messbaren, echten Nutzen bringen – pragmatisch und lösungsorientiert, fernab von Ideologien.
LINEAR: Die „Digitalisierung“ bleibt ein aktuelles Thema – auch innerhalb der Baubranche. Sehen Sie darin Chancen und/oder Herausforderungen?
Dario Irniger: Ich möchte hier weniger in Kategorien wie „Chancen“ oder „Herausforderungen“ sprechen, sondern aus unserer täglichen Arbeit mit digitalen Planungstools im BIM-Kontext berichten.
BIM ermöglicht in der Planungsphase grundsätzlich eine deutlich präzisere Koordination: Modelle machen Abhängigkeiten und Kollisionen früh sichtbar und unterstützen die Abstimmung zwischen den Gewerken. Entscheidend ist dabei jedoch, dass die Vorteile der BIM-Methodik von allen Beteiligten tatsächlich genutzt werden – also nicht nur Modelle erstellt werden, sondern auch Prozesse, Rollen und Verantwortlichkeiten klar definiert sind und alle konsequent mit den aktuellen Informationen arbeiten. Nur dann kann BIM sein Potenzial wirklich entfalten.
In der Praxis stellen wir fest, dass die Umsetzung je nach Projekt und Projektteam mit zusätzlichem Aufwand verbunden sein kann. Die Erstellung von 3D-Modellen sowie Revit-Familien ist teilweise sehr zeitintensiv und auch die Schnittstellen beim Modellaustausch funktionieren nicht immer durchgehend reibungslos. Umso wichtiger sind gemeinsame Standards, klare Austauschformate und eine saubere Datenqualität über alle Beteiligten hinweg. Auf den Baustellen zeigt sich außerdem, dass grossformatige Papierpläne noch immer häufig genutzt und geschätzt werden – oft, weil sie schnell verfügbar und für alle unmittelbar lesbar sind. Gleichzeitig gewinnt die digitale Nutzung vor Ort dann an Wert, wenn sie von allen angewendet wird und die Abläufe entsprechend darauf ausgerichtet sind.
Ein Beispiel verdeutlicht das: Vor drei Jahren hatten wir ein Bauobjekt, das konsequent auf digitaler Basis umgesetzt wurde. Trotzdem wurde eine wichtige Steigzone für die TGA um 1,58 m in der Breite kleiner gebaut als vorgegeben. Die Folgen für die Umplanung der TGA kurz vor der Installation waren erheblich. Solche Erfahrungen zeigen aus unserer Sicht vor allem: BIM ist dann besonders wirksam, wenn alle Projektbeteiligten die Methode aktiv leben – mit klarer Kommunikation, verbindlichen Kontrollen und einer konsequenten Nutzung der digitalen Informationen bis auf die Baustelle.
LINEAR: Welche maßgeblichen Veränderungen konnten Sie in den letzten Jahren in der Branche ausmachen?
Dario Irniger: In den letzten Jahren haben wir in der Branche mehrere markante Veränderungen beobachtet – mit Chancen, aber auch mit Risiken.
Zum einen sehen wir kritisch, dass politische Vorgaben und gesetzliche Rahmenbedingungen zunehmend in sehr technische Themen hineinwirken. Wenn dabei das Verständnis für die praktische Umsetzung fehlt, entstehen Anforderungen, die auf dem Papier gut gemeint, in der Realität jedoch schwer umsetzbar sind oder unverhältnismäßigen, teils wenig zielführenden Zusatzaufwand verursachen.
Zum anderen stellen wir fest, dass der starke Preisdruck sowohl die Qualität von Anlagenkomponenten als auch insbesondere die Ausführung der Installationen spürbar belastet hat. Besorgniserregend ist dabei weniger ein einzelner Fehler, sondern die Entwicklung, dass Fachwissen nicht mehr überall in der nötigen Tiefe vorhanden ist und dass Zusammenhänge in komplexen Anlagen dadurch manchmal zu wenig ganzheitlich betrachtet werden.
Die große Chance liegt aus unserer Sicht darin, wieder konsequent auf fundiertes Fachwissen, saubere Planung und eine qualitativ hochwertige Ausführung zu setzen. Wenn wir uns stärker an den physikalischen Grundlagen orientieren und diese in der Praxis korrekt umsetzen, können wir auch unter neuen Anforderungen nachhaltige, effiziente und langfristig funktionierende Lösungen realisieren.
LINEAR: Wie hat sich Ihrer Meinung nach die Einführung von BIM auf die Planung, Koordination und Durchführung von Bauprojekten ausgewirkt?
Dario Irniger: Wir haben die Erfahrung gemacht, dass heute in vielen Projekten vermehrt in 3D gearbeitet wird und der Modellaustausch häufig auf IFC-Basis erfolgt. Eine konsequent umgesetzte BIM-Planung – also mit klar definierten Prozessen, Rollen, Informationsanforderungen und einer durchgängigen Nutzung der Modelle – wird in unseren Projekten jedoch noch eher selten explizit gefordert.
Die Gründe sehen wir vor allem in zwei Punkten: Zum einen ist die Modellierung – je nach gewünschtem Detaillierungsgrad – sehr aufwändig. Zum anderen hängt der Mehrwert von BIM stark davon ab, ob alle Projektbeteiligten über die notwendige Erfahrung, die passenden Standards und die entsprechende technische Ausstattung verfügen. Wenn diese Voraussetzungen gegeben sind und alle mitziehen, kann BIM die Koordination deutlich verbessern und Planungsfehler früher sichtbar machen. Fehlen sie, bleibt es oft bei „3D mit Datenaustausch“, ohne dass das volle Potenzial der Methodik ausgeschöpft wird.
LINEAR: Bei der Projektabwicklung setzen Sie auf unsere LINEAR Lösungen. Wie sind die bisherigen Erfahrungen im Umgang mit der Software? Was zeichnet unsere Lösungen in Ihren Augen aus und wie konnten Sie dadurch Ihre Workflows effektiver gestalten?
Dario Irniger: Gerade im Anlagenbau haben wir mit den Lösungen der LINEAR GmbH sehr gute Erfahrungen gemacht. Besonders die ergänzenden Tools – zum Beispiel der Behältergenerator sowie die umfangreiche Bauteilbibliothek – unterstützen uns spürbar dabei, Modelle präziser aufzubauen und gleichzeitig effizient zu bleiben. In unserem Arbeitsprozess sind die LINEAR Werkzeuge eine ideale Ergänzung zu den Funktionen der Basissoftware: Sie erweitern die Standardmöglichkeiten genau dort, wo im TGA- und Anlagenbau der Detailgrad und die Qualität der Daten entscheidend sind. Dadurch können wir viele Schritte strukturierter und schneller durchführen, die Modellqualität erhöhen und Workflows insgesamt effektiver gestalten.
LINEAR: Was hat Sie seinerzeit dazu bewogen in LINEAR zu investieren?
Dario Irniger: Was mich seinerzeit dazu bewogen hat, in LINEAR zu investieren, war vor allem, dass mir von Anfang an ein sehr stimmiges und praxisnahes Gesamtpaket für die TGA-Planung angeboten wurde und dieses überzeugt mich bis heute.
Besonders wichtig ist für mich auch die kontinuierliche Weiterentwicklung der Software. Ich schätze es sehr, dass die Praxis-Erfahrungen der Anwenderinnen und Anwender ernst genommen werden und sichtbar in die Entwicklung einfließen. Ebenso entscheidend ist für mich ein Support, der schnell reagiert und ohne lange Wartezeiten weiterhilft, wenn es darauf ankommt. Seit 1989 arbeite ich mit der Software von LINEAR und bin bis heute sehr zufrieden. Ich war damals der erste Kunde von LINEAR in der Schweiz. Diese lange Zusammenarbeit ist für mich auch ein Zeichen dafür, dass die Lösung über viele Jahre hinweg zuverlässig mitgewachsen ist und in der Praxis funktioniert. Besonders erwähnenswert ist für mich, dass ich damals wie heute von Herrn Sven Hailer betreut werde. Über all die Jahre hinweg war das für mich ein großer Vorteil: Man kennt sich, versteht die Anforderungen aus der Praxis und ich habe stets das Gefühl, gut begleitet zu sein – sowohl bei Fragen im Alltag als auch bei neuen Entwicklungen und Themen.
LINEAR: Wenn Sie einen Wunsch frei hätten, der die zukünftige Planung von Gebäuden vereinfachen soll, welcher wäre das?
Dario Irniger: Wenn ich einen Wunsch frei hätte, dann wäre es ein Austauschdatenformat, das sich wirklich problemlos übernehmen lässt – also ein Format, das sich ohne aufwändige Nachbearbeitung und Anpassungsarbeiten in die jeweilige Planung integrieren lässt. Außerdem wünsche ich mir, dass die 3D-Planung in der Handhabung stärker auf das Wesentliche reduziert wird und sich konsequent am tatsächlichen Projektumfang orientiert. BIM sollte dort eingesetzt werden, wo es einen klaren Mehrwert bringt und nicht zum Selbstzweck.
LINEAR: Der Fachkräftemangel ist eine der gegenwärtigen und zukünftigen Herausforderungen, denen sich Unternehmen stellen müssen. Was hat Sie damals dazu bewogen, sich für diese Branche zu entscheiden und welche Tipps würden Sie jungen (angehenden) Fachleuten, die diesen Weg einschlagen (wollen), mitgeben?
Dario Irniger: Ich habe den Eindruck, dass die junge Generation heute deutlich flexiblere Arbeitsmodelle erwartet. Unternehmen sind deshalb gut beraten, solche Modelle aktiv zu entwickeln und anzubieten – auch, um dem Fachkräftemangel wirksam entgegenzuwirken.
Was mich persönlich dazu bewogen hat, in diese Branche zurückzukehren, ist eine längere Geschichte. Ausschlaggebend war vor allem meine Faszination für den Industrieanlagen- und Rohrleitungsbau. Im Laufe der Zeit kam dann auch die „allgemeine Gebäudetechnik“ – wie ich sie hier einmal zusammenfassend nennen möchte – als weiteres spannendes Feld dazu. Jungen, angehenden Fachleuten kann ich vor allem eines mitgeben: Versucht zu verstehen, was ihr tut und warum. Lernt, Zusammenhänge in komplexen Systemen zu erkennen und wirklich zu begreifen. Und nutzt die Erfahrung von langjährigen Fachleuten: Fragt nach und holt euch dieses Wissen aktiv ab.
LINEAR: Haben Sie noch Anregungen oder Wünsche, die Sie mit uns teilen möchten?
Dario Irniger: Ja. Wir hätten noch einige Anregungen, die vor allem Revit betreffen und aus unserer Sicht in der Praxis einen echten Mehrwert bringen würden:
- Ein Bauteilgenerator für Rohrbündelwärmetauscher und einer für Plattenwärmetauscher – sowohl für gelötete als auch verschraubte Ausführungen.
- Eine Erweiterung des bestehenden Behältergenerators, beispielsweise um die Option Füße am Mantel oder alternativ einen Standring.
Darüber hinaus wären verschiedene Aufhängesysteme mit einer automatischen Andockfunktion am Rohrmantel eine echte Bereicherung – insbesondere für den Rohrleitungsbau, weil sich damit Modellierung und Detailplanung deutlich effizienter und konsistenter umsetzen ließen.
LINEAR: Vielen Dank für das Gespräch!