Was ist ein Raumbuch – Gestern und Heute
Die Nutzung eines Raumbuchs an sich ist kein neuer Gedanke. Die traditionelle Rolle eines Raumbuchs war jedoch eher eine Bestands- und Zustandsdokumentation oder ein Anhang zu Planungsunterlagen. Diese Anhänge lagen dann als statische Listen vor – zunächst in Papierform, später als digitale Tabellen im Excel- oder PDF-Format – und waren entweder dazu gedacht, einen Planungsstand zu dokumentieren oder im besten Fall eine Beschreibung des Endzustands einer Planung zu liefern.
Relativ neu ist dagegen der Ansatz, ein durchgängiges Informationsmodell zu schaffen. Statt eines Planungszustandes rückt der Lebenszyklus, bestehend aus Konzeption, Planung, Errichtung und Betrieb in den Fokus. Zusammen mit der Maschinenlesbarkeit der Daten, die nicht nur ein „nettes Extra“, sondern erklärtes Ziel dieses Informationsmodells ist, wird dieser Ansatz erst seit einigen Jahren systematisch verfolgt. Als „digitales Raumbuch im BIM-Workflow“ findet er erst Anfang der 2020er Jahre Erwähnung in Studien, Leitfäden und Pilotprojekten.
Fortschrittliche Software zum Führen digitaler Raumbücher gibt es insbesondere in der großskaligen Objektplanung und Bewirtschaftung schon länger. Allerdings sind digitale Raumbücher als bewusstes, BIM-integriertes und lebenszyklusorientiertes Konzept – vor allem im deutschsprachigen Raum – erst seit kurzer Zeit in der breiten Diskussion und haben erst 2024 mit der VDI 6070 einen normativen „Stempel“ erhalten.
Aber nicht jedes Kundenprojekt ist ein Großprojekt mit über 1.000 Räumen oder mehr als 50.000 m2 Bruttogrundfläche, bei dem sich der Implementierungs- und Schulungsaufwand solcher hochpreisigen Werkzeuge lohnt. Ein Raumbuch ist im Prinzip jedoch bereits ab einem Raum sinnvoll. Deshalb braucht es ein Werkzeug mit einfacher Bedienung und nahtloser Integration in bestehende Software: das Raumbuchmodul für LINEAR Building.
Bevor wir darauf näher eingehen, soll hier zunächst noch einmal die allgemeine Anwendung eines digitalen Raumbuchs und sein Nutzen etwas detaillierter beleuchtet werden.
Nutzen und Anwendungsfälle eines digitalen Raumbuchs
Da die Anwendung des digitalen Raumbuchs über den gesamten Lebenszyklus reicht, sich der Nutzen dabei jedoch verändert, gruppieren wir die Betrachtung in die Bereiche Konzeption/Bedarfsplanung, Entwurf/Planung, Ausführung und Betrieb.

Während der Konzeption/Bedarfsplanung
| Ziel | Die Anforderungen an das zu errichtende Gebäude strukturiert und modellunabhängig erfassen. |
| Mehrwert | Das Raumbuch funktioniert wie ein „Lastenheft in Tabellenform“, das später mit dem Modell verknüpft wird. Die Anforderungen sind nicht in Protokollen o.ä. „versteckt“, sondern bleiben maschinell prüfbar. |
| Hier werden u.a. Funktionsbereiche definiert (je nach Gebäudetyp), z.B.: |
• Büro- und Verwaltungsgebäude: Hauptnutzung/Arbeiten, Kommunikation/Kollaboration, Repräsentation/Empfang, Service/Support, Aufenthalt, Versorgung, Technik, Logistik • Bildungsbauten: Unterricht/Lehre, Ganztag/Betreuung, Sport/Bewegung, Verwaltung, Gemeinschaft/Öffentlichkeit • Krankenhaus: Patientenversorgung, Diagnostik, Therapie, Notfallversorgung, Service, Logistik/Versorgung, Verwaltung, Technik |
| Hier werden u.a. Raumtypen definiert (je nach Gebäudetyp), z.B.: | • Einzelbüros, Gruppenbüros, Besprechungsräume, Eingangshalle, IT-/Serverräume, Pausenräume, Haustechnikräume, Unterrichtsräume, Ganztagsbetreuung, Mensa, ... |
| Hier werden u.a. Quantitäten und Zielwerte festgelegt, z.B.: |
• Raumflächen je Raumtyp (Einzelbüro 12–14 m², Klassenraum 60–70 m², ...) • Raumflächen je Raumtyp und Person (Büros: 12 m²/Person, Patientenzimmer: 10 m²/Person, Klassenraum: 2,5 m²/Schüler, …) • Maximale Belegung pro Raum (max. 30 Personen im Klassenraum, max. 4 Personen pro Gruppenbüro) • Anzahl Sanitäreinrichtungen • Temperatur-Sollwerte • Luftqualität (Mindest-Luftwechselrate, CO₂-Grenzwerte, …) • Akustik-Grenzwerte (Nachhallzeit, Schallschutz zwischen Bereichen, …) • Beleuchtung (Beleuchtungsstärken, Tageslichtanteil/Fensterflächenanteil, …) • Elektrik (Anzahl Strom- und Netzwerksteckdosen, Anschlusswerte, …) • Medienversorgung (Wasser, Abwasser, Druckluft, Sauerstoff, …) • Energie (max. 40 W/m²) |
Während des Entwurfs/der Planung
| Ziel 1: | Das Raumbuch wird zum zentralen Referenzdokument (für die Fachplanung). |
| Mehrwert 1: | Das Raumbuch wird zur zentralen Informationsquelle für Raumdaten, während das BIM-Modell die geometrische Sicht liefert. Beides zusammen ergibt ein konsistentes Informationsmodell. |
| Das geschieht so: | Spätestens nach der Synchronisation der Raumbuch-Räume mit den Modell-Räumen wird eine automatische Plausibilitäts- und Konsistenzprüfung möglich – von „ganz simpel“ (Sind alle Raumbuch- Räume im Modell abgebildet?) bis hin zu komplexeren, regelbasierten Prüfungen (Sind die Anforderungen an die Räume erfüllt?). |
| Ziel 2: | Vermeidung des „Information Gap“. |
| Mehrwert 2: | Einmal erfasste Daten verschwinden nicht in einem „Datenmatsch“, sondern können gezielt im Planungsprozess weiterverwendet werden. Neben der Verhinderung von Copy-&-Paste-Fehlern ist dies auch eine große Aufwands- und Zeitersparnis. |
| Das geschieht so: | Durch die Erfassung der Daten in einem maschinenlesbaren Format mit eindeutiger Adressierung (jeder Wert hat einen eindeutigen Namen bzw. Schlüssel) können unterschiedliche Anwendungen (Konzeptwerk- zeuge, Lastberechnungen, Auslegungsprogramme, Prüfungen) und Projektbeteiligte (aus Architektur, Planung, Ausführung, Facility- Management) auf dieselben Werte zugreifen. Ändern sich diese, stehen die aktualisierten Werte wieder überall zur Verfügung. Die Bereitstellung der Daten geschieht entweder über Synchronisations- schritte (Raumbuch Modell) oder über direkte Zugriffe auf die Daten (innerhalb der Raumbuchanwendung oder in einer CDE- Plattform). |
Und über die Planung hinaus
| Auch in der Ausführungsphase und für die Übergabe an den Betrieb bzw. das Facility-Management ergeben sich viele weitere Nutzungsmöglichkeiten, die hier aber nur kurz angerissen werden sollen: |
• Erkennung von Musterräumen für die Ausführung (Effizienz durch Wiederholeffekte) • Änderungsmanagement (Protokollieren von Änderungen) • Abnahme- und Mängelmanagement • Informationen für Bewirtschaftung und Service (Wartung, Reinigung, …) • etc. |
Die Rolle des LINEAR Raumbuchmoduls
Das neue LINEAR Raumbuchmodul heute schon als lebenszyklusorientiertes digitales Raumbuch zu bezeichnen, wäre vermessen. Dafür fehlt vor allem noch ein detailliertes Änderungsmanagement: Wer hat was wann geändert, wo wurde das besprochen und wer hat die Änderung veranlasst. Dessen Einsatz erzeugt jedoch auch einen erhöhten Verwaltungsaufwand, den alle Projektbeteiligten leisten müssen. Für eine vereinfachte Handhabung bietet das LINEAR Raumbuchmodel schon jetzt einen niederschwelligen Einstieg in die nächste Stufe der Planung.
Vor allem in der Phase der Konzeption und Planung von Gebäuden ist das Raumbuchmodul ein sehr leistungsstarkes Werkzeug, das immer zur Verfügung steht und einfach funktioniert. Dabei ist es auch nicht notwendig, sich mit allen Projektbeteiligten auf ein gemeinsam genutztes Werkzeug zu einigen. Die oben genannten Ziele lassen sich mit dem Raumbuchmodul erreichen; damit sind auch die entsprechenden Mehrwerte gegeben.
Darüber hinaus bietet das Raumbuchmodul durch die enge Integration in die LINEAR Solutions wesentliche Vorteile gegenüber externen Lösungen: Vieles funktioniert bereits automatisch oder ist besonders einfach zu konfigurieren. So sind viele „Werteschlüssel“ – wir sagen „Parameternamen“ dazu – bereits bekannt, und es ist damit auch klar, wie deren Werte zu verarbeiten sind. Das gilt u.a. für Personenbelegungen, Raumtemperaturen, Heiz- und Kühllasten oder Raumausstattung (z.B. Sanitär, Elektro, GA). Die Werte lassen sich in der weiteren Planung mit den LINEAR Solutions direkt weiterverwenden. Sei es für schematische Konzepte mit den Schemageneratoren, für die Auslegungsmodule von Heizkörpern, Flächentemperierung oder Luftdurchlässen, oder für den Aufbau eines modellbasierten Trassenkonzepts.
Die integrierte KI-Unterstützung kann dabei helfen, bei fehlenden Informationen – das soll ja vorkommen – schnell plausible Annahmen zu treffen, die nicht völlig geraten sind oder mühsam geschätzt werden müssen. Sie kann auch bei der Validierung unterstützen, indem man die von ihr gelieferten Werte als „Zweitmeinung“ mit den vorhandenen vergleicht.
Selbst für diejenigen, die mit dem Begriff des digitalen Raumbuchs „nichts am Hut haben“, bietet das Raumbuch eine bisher nicht gekannte Übersichtlichkeit und Einfachheit bei der Eingabe von Raumdaten. Man kann sich z.B. ohne Mühe eine Übersicht über die Raum-Solltemperaturen mit zugehörigen Heiz- und Kühllasten sowie deren Deckungsanteilen anzeigen lassen – gruppiert nach Raumtypen. Ausreißer in den Solltemperaturen lassen sich so sofort identifizieren und bei Bedarf direkt anpassen, ohne die Ansicht verlassen zu müssen.
Und all diejenigen, die das volle Potenzial erkennen und zukünftige Planungen raumbuchgestützt durchführen wollen, haben jetzt eine einfache Möglichkeit, damit zu starten. Sie können Informationen für die Planung aus dem Architekturbüro oder dem BIM-Management einholen, noch vor dem ersten sprichwörtlichen „Strich auf dem Papier“. Geben Sie dazu eine – gerne auch leere – Excel-Tabelle mit den entsprechenden Spalten weiter. Im weiteren Planungsverlauf kann die Informationsdichte und -qualität schrittweise erhöht werden, indem z.B. das Modell als Austauschplattform oder weitere Excel-Dateien für den Datenaustausch genutzt werden – mit einer wie auch immer gearteten „Single Source of Truth“ für Raumdaten.

Fazit
Das digitale Raumbuch entwickelt sich vom früheren „Anhang“ statischer Listen hin zu einem durchgängigen Informationsmodell und Managementinstrument, das Anforderungen, Planung und spätere Nutzung strukturiert miteinander verbindet. Gerade in der Konzeption und Planung schafft es Transparenz, reduziert Reibungsverluste zwischen Beteiligten und sorgt dafür, dass einmal erfasste Informationen konsistent weiterverwendet werden können, statt im Projektverlauf zu verstreuen oder verloren zu gehen.
Für zukünftige Projekte lohnt es sich deshalb, das digitale Raumbuch früh mitzudenken und konsequent einzusetzen: am besten nicht erst „wenn das Modell steht“, sondern bereits in der Bedarfsplanung als gemeinsame, maschinenlesbare Grundlage. Wer klein anfängt – auch mit einer zunächst schlanken Struktur – kann schrittweise Informationsdichte und Qualität erhöhen und damit die Basis für effizientere, prüfbarere und robustere Planungsprozesse schaffen. Kurz: Das digitale Raumbuch ist ein pragmatischer Hebel, um Planungssicherheit zu gewinnen – und ein sinnvoller Standard, den man in kommenden Projekten von Anfang an etablieren sollte.
PS: Und selbst, wenn Sie am Ende ganz klassisch einen Ordner mit Raumblättern füllen müssen, dann lässt sich freilich auch das auf Basis strukturierter Daten automatisiert gestalten.