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Die TGA-Branche bewegt uns – und wir bewegen sie

 

Interview der TGA-Fachzeitschrift "Integrale Planung"

mit Javier Castell Codesal und Dr. Christian Waluga von liNear

Nicht zuletzt durch die politische Entscheidung, BIM zukünftig verpflichtend zu machen, führt für alle Dienstleister im Baugewerbe langfristig kein Weg mehr daran vorbei. Auch nichtstaatliche Auftraggeber verlangen immer häufiger eine BIM-konforme Planung ihrer Projekte. Hierbei sind die Anforderungen sehr unterschiedlich – zudem existiert keine eindeutige Definition eines BIM-Prozesses. Vielmehr wird auf Projektebene entschieden, wie genau der Prozess zu gestalten ist. Während die einen hier nur den anfänglichen Mehraufwand sehen, neue Arbeitsmethoden im Unternehmen zu etablieren, haben andere bereits erkannt, welche Chancen die Integrale Planung für die Baubranche und auch für das eigene Unternehmen bietet.

„Wer also bereits begonnen hat oder jetzt mit der digitalen Transformation startet, hat die Möglichkeit, an den Aufgaben zu wachsen und sich eine gute Ausgangslage für die Zukunft zu schaffen. Der Übergang von „3D plus Daten“ hin zu echter integraler Planung kann auch in kleinen Schritten geschehen, wichtig ist nur, überhaupt mal anzufangen“, betonen Javier Castell Codesal, Mitglied der Geschäftsführung, und Dr. Christian Waluga, stellvertretender Leiter Produktentwicklung, von der liNear GmbH im Interview mit der Redaktion Integrale Planung.


Integrale Planung:

Sehr geehrter Herr Castell Codesal, Sie sind schon seit vielen Jahren Entwicklungsleiter beim Softwarehaus liNear und gehören hier seit fast fünf Jahren der Geschäftsführung an. Welche maßgeblichen Veränderungen konnten Sie in der letzten halben Dekade in der Branche ausmachen?

Castell Codesal:

Die in meinen Augen wichtigste Veränderung ist eindeutig die digitale Transformation. Das Bewusstsein dafür, dass die eigene digitale Arbeitsweise am PC nur eine erste Voraussetzung ist, ist in den letzten Jahren erst gereift. Viele haben aber mittlerweile verstanden, dass die hehren Ziele, für die die Transformation letztendlich steht, erst erreicht werden können, wenn auch alle Prozesse im Bauwesen digital werden. Das Digitale bringt uns die Möglichkeit, eindeutig zu kommunizieren. Ohne Missinterpretation und ohne Transportverluste. Diese Möglichkeiten richtig einzusetzen, ist die aktuelle Herausforderung. Aber die Branche ist schon dabei. Beispielsweise sind Prozessfragen, wie "Wer braucht wann was und wie?", in den Vordergrund gerückt und werden gerade beantwortet.

Integrale Planung:

Welche wichtigen Meilensteine hat dabei das Unternehmen liNear gemeistert?

Castell Codesal:

Bei uns ist die Prozessunterstützung mittlerweile fester Bestandteil der Software geworden. Werkzeuge wie die zur Kollisionsprüfung und die zur Schlitz- und Durchbruchsplanung gab es bei uns schon vorher, aber der Fokus hat sich heute verschoben. Haben wir vorher bei den Ergebnissen aufgehört und es dem Anwender überlassen, wie er damit im Planungsprozess umgeht, unterstützen wir heute auch die dazugehörigen digitalen Prozesse. Und zwar nahtlos integriert in die Werkzeuge. Hier liegen die Vorteile der digitalen Transformation auf der Hand, denn die Kommunikation mit den Planungsbeteiligten bekommt damit auf einmal eine eindeutige Sprache und eine klare Struktur.

Das Digitale bringt uns die Möglichkeit,

eindeutig zu kommunizieren.

Ohne Missinterpretation und ohne

Transportverluste. Diese

Möglichkeiten richtig einzusetzen,

ist die aktuelle Herausforderung,


so Javier Castell Codesal, der bereits seit 1999 das Thema 
TGA-Software im Bauwesen bei liNear entwicklungsseitig begleitet.

Seit etwa zwei Jahren bemerken

wir eine deutliche Wandlung in Art

und Qualität der Fragen, die so

von außen auf uns zukommen.

Die Wichtigkeit von Rollen und

Vereinbarungen im

Planungsprozess wird klarer,


betont Dr. Christian Waluga, der als Geschäftsführer der jüngst
gegründeten liNear Building Labs GmbH unter anderem in die
Richtlinienarbeit und in internationale Forschungsprojekte involviert ist.


 

Integrale Planung:

Mit unserer Edition „Integrale Planung“ sind wir nunmehr auch fünf Jahre aktiv und als Beobachter des Marktes kann man das Gefühl bekommen, dass die Vokabel des integralen bzw. integrierten Planens, Bauens und Betreibens – langsam aber sicher – im allgemeinen Wortschatz und Sprachgebrauch angekommen ist. Wie sehen Sie das?

Castell Codesal:

Es gibt mittlerweile tatsächlich sehr viele, die Ihren Wortschatz ganz selbstverständlich um diese Begriffe erweitert haben. Wir erleben jedoch immer wieder auch Situationen, in denen die dahintersteckenden Konzepte – und oft auch die Begriffe – noch Neuland sind. Das „erdet“ und lässt einem klarwerden, dass nicht jeder den aktuellen Entwicklungen mit der angenommenen Aufmerksamkeit folgt, oft einfach aus Mangel an Zeit. Wir verstehen es als Aufgabe, der Software die Konzepte der integralen Planung „natürlich“ in den Arbeitsalltag einfließen zu lassen – auch ohne „Auswendiglernen“ der Begriffslexika.

Integrale Planung:

Sehr geehrter Herr Waluga, wie sieht es Ihrer Meinung nach in den deutschen Architektur-, Ingenieur- und Planungsbüros aus in Sachen integraler Planung. Wird aus der Floskel denn gelebte Praxis?

Waluga:

Wo in der Vergangenheit fast jeder „BIM“ im Schaufenster stehen hatte, fand man hinter der Fassade oft erschreckend konventionelle Prozesse, die auf drei Dimensionen mit zusätzlichen Daten angehoben wurden. Seit etwa zwei Jahren bemerken wir allerdings eine deutliche Wandlung in Art und Qualität der Fragen, die so von außen auf uns zukommen. Die Wichtigkeit von Rollen und Vereinbarungen im Planungsprozess wird klarer und man stellt sich mal die Frage, ob Freitexte wirklich der Weisheit letzter Schluss sind, wenn man an Digitalisierung denkt. Dabei zeichnet sich immer mehr ab, dass wir als Software-Hersteller darauf Acht geben müssen, dass nicht ein Workaround zur Regel der Technik erklärt wird. Gute Werkzeuge entwickeln sich entlang der Prozesse, nicht umgekehrt. Man darf einfach nicht an der Schnittstelle aufhören zu denken. BIM ist zwar offen und flexibel, am besten funktioniert es aber, wenn ich nicht während meiner Teilaufgabe schon aus zig Quellen Tools „zusammenstöpseln“ muss.

Integrale Planung:

Welche Hemmnisse und Hürden stehen einer flächendeckenderen Verbreitung dieser Denk und Arbeitsweise noch im Weg und wie lassen sich diese beseitigen?

Waluga:

Ich denke, die vollen Auftragsbücher tragen eine Teilschuld. Wer sich mit dieser neuen Denkweise beschäftigen will, der macht dies oft aus eigenem Antrieb neben dem Hauptjob. Dabei wird man gleich erschlagen mit Informationen, was es leicht macht, die Lust zu verlieren. Es gibt unzählige neue Vokabeln, die – zu allem Überfluss – im Laufe der Zeit auch noch umdefiniert werden. Ein beliebtes Beispiel hierfür ist die Abkürzung „LoD“, bei der aus „Detail“ irgendwann über Nacht „Development“ wurde und anschließend im Rahmen der ISO-Normung die Ersetzung durch „LoIN“ stattfand. Nun fragen sie mal drei zufällig ausgewählte Ingenieure, was das alles konkret für sie bedeutet, und ihnen wird klar, wo die Probleme bei der flächendeckenden Einführung momentan noch liegen. Beseitigen können wir diese nur, indem wir BIM konsequent vom Flipchart in die Praxis bringen. Der Übergang von „3D plus Daten“ hin zu echter integraler Planung kann auch in kleinen Schritten geschehen, wichtig ist nur, überhaupt mal anzufangen.

Integrale Planung:

Apropos „Praxisfragen lösen“: Die Neugründung  liNear Building Labs, welche Sie leiten, will sich genau an dieser Stelle positionieren. Bitte geben Sie unseren Lesern – sprich: den planenden Praktikern – einen Überblick zum Profil und zur Strategie des „Startups“.

Waluga:

liNear bezieht seit jeher die Ideen für neue Produkte oder Verbesserungen aus dem Feedback seiner Anwender und der vertrauensvollen Zusammenarbeit mit seinen Industriepartnern. Das funktioniert, nach wie vor, sehr gut und sichert uns technologischen Vorsprung. Allerdings hat sich auch gezeigt, dass wir uns speziell für die Entwicklung der integralen Prozesse und Werkzeuge nicht allein über diese Kanäle inspirieren lassen können. Die Unterstützung von Fall zu Fall, wie sie beispielsweise unsere Support-Mannschaft hervorragend leistet, hilft meist nicht dabei, die wirklichen Flaschenhälse im Prozess zu eliminieren. Hier setzt liNear Building Labs an, indem sie einerseits als Innovations-Labor im engen Austausch mit der Forschung neue Trends auf ihre Markttauglichkeit untersucht, zum anderen ins Feld geht und passgenaues Software-Consulting bietet. Für diese zweite Ausbaustufe rekrutieren wir aktuell weiteres Personal, um der Nachfrage überhaupt gerecht werden zu können.

Integrale Planung:

Zurück zu den Softwarelösungen, Herr Castell Codesal: Die Angebotsvielfalt in Sachen Bausoftware ist für die potenziellen Anwender mittlerweile fast unüberschaubar. Gerade im Softwaremarkt für die Planung, Projektierung, den Bau und die Bewirtschaftung von Wohn- sowie Nichtwohngebäuden wirkt das Schlagwort „Building Information Modeling“ (BIM) seit einiger Zeit wie ein Katalysator. Mit welchen Argumenten kann sich liNear in diesem Kontext „vom Rest der Welt“ abheben?

Castell Codesal:

Hier kann ich unser Leitbild zitieren – „Workflow statt Workaround“. Anstelle von Insellösungen für jede spezielle Aufgabenstellung warten wir als Komplettanbieter mit einer Gesamtlösung für die TGA auf, die erst durchgängige Workflows ermöglicht. Wir haben uns schon immer dadurch hervorgehoben, dass wir sehr detailverliebt arbeiten und trotzdem das große Ganze im Auge behalten. So finden Sie bei uns den „roten Faden“, der unseren Anwender vom ersten Konzept bis zum Ziel begleitet.


Integrale Planung:

Herr Waluga, ganz allgemein gefragt, was macht für Sie ein gelungenes BIM-Projekt aus?

Waluga:

Ob nun BIM oder nicht, ein gelungenes Projekt hat mit angemessenem Aufwand sein Ziel erreicht. Speziell auf BIM bezogen, ist wichtig, dass der Mehrwert stimmt,  denn es ist ja schon auf den ersten Blick deutlich aufwendiger, wenn man nach Methode BIM integral plant. In der Regel ist dieser Mehraufwand allerdings nicht der Methodik, sondern einer mangelhaften Abstimmung geschuldet. Kurioserweise wird leider immer noch sehr oft in frühen Phasen mit viel  Liebe zum Detail loskonstruiert, was spätere Änderungen aufwendig und mühsam macht. Ein gelungenes BIM-Projekt lässt sich also auf verschiedenen Skalen betrachten, ist kollaborativ angelegt und klärt die wesentlichen strukturellen Fragen, zum Beispiel nach der Größe und Lage der Technikzentralen und Schächte, schon vor Beginn der detaillierten Konstruktion. Als äußerst positives Beispiel ist hier das Projekt „Viega World“ zu nennen, welches ich als wichtige  Referenz zur Etablierung integraler Planungsmethoden sehe.

Integrale Planung:

Zum Schluss eine Frage an beide Interviewpartner: Sie haben einen Wunsch frei, der die Planungs- und Baupraxis deutlich „unkomplizierter“ bzw. effektiver macht. Wie würde dieser lauten?

Castell Codesal:

Ich würde mir von noch mehr Anwendern wünschen, neue Arbeitsweisen und Technologien anzugehen und auszuprobieren. Das daraus resultierende Feedback ist, wie Christian Waluga eben schon erwähnt hat, enorm wichtig, um auf beiden Seiten in der Sache voranzukommen. Ganz nach dem Motto "Wer nicht wagt, der nicht gewinnt". Gehen wir es also gemeinsam an und heben die Bauplanung auf das, längst überfällige, nächste Level.

Waluga:

Die Unterlage einer Architektur-Referenz durch den TGA-Planer ist, nach wie vor, ein beliebter Reibungspunkt. Gebäude sollten, auch in Bezug auf Rollen und Rechte im Prozess, nicht vom TGA-Planer aus einem Grundriss nachgezeichnet werden müssen, weil der Architekt entweder keine  dreidimensionale Architektur liefert oder diese mangels semantischer Informationen eigentlich nur zur Visualisierung taugt. Selbst wenn wir natürlich auch dann noch viel für unseren Kunden tun können, wenn mal etwas nicht perfekt übermittelt wird, wünsche ich mir, dass es hier in Zukunft einfach weniger solcher vermeidbarer Reibungsverluste gibt.


 

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