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© FH Aachen / Johannes Poth

Innovative Gebäudeplanung

Ein Jahr Smart Building Engineering an der FH Aachen

Wodurch zeichnet sich ein intelligentes Gebäude aus? Durch eine gute Planung, Konzeption und Konstruktion? Durch eine ansprechende Architektur? Oder durch eine clevere technische Gebäudeausstattung? Der Schlüssel zum „smarten“ Gebäude liegt in der Kombination. Technisch bestens ausgestattete, vernetzte Gebäude zu bauen, ist das Ziel des im Wintersemester 2018 gestarteten FH-Studiengangs „Smart Building Engineering“, der Themen der drei Fachbereiche Architektur, Bauingenieurwesen sowie Elektrotechnik und Informationstechnik bündelt. Der Studiengang wird mit zwei Stiftungsprofessuren durch regionale Unternehmen gefördert. Insgesamt ist die enge Verzahnung von Hochschule und Wirtschaft ein interessantes Merkmal des neuen Studiengangs, so wird es den Studierenden erleichtert, während ihres Studiums bereits mit Unternehmen ihrer zukünftigen Branche Kontakte zu knüpfen.
„Wir haben das Problem, dass es einen hohen Bedarf an speziell ausgebildeten Ingenieurinnen und Ingenieuren gibt, aber kein entsprechendes Angebot an den Hochschulen“, verdeutlicht der Rektor der FH Aachen, Prof. Dr. Marcus Baumann, die aktuelle Herausforderung. Umso mehr freue es ihn, dass das Studium von „Smart Building Engineering“ genau dem gerecht wird. Ob Planung, Betreuung beim Bau oder Optimierung von Gebäuden – all dies könnten zukünftige Ziele der Studierenden sein, erläuterte Prof. Dr. Bernd Döring vom Fachbereich Bauingenieurwesen. Dass die Studierenden auf ihrem Weg in die Baubranche bestens gerüstet sein werden, wird auch dadurch deutlich, dass neueste Planungswerkzeuge wie Virtual Reality in dem Studiengang berücksichtigt werden. 

Rückblick auf die Eröffnungsfeier
Im November 2018 feierten die FH Aachen und die Stifterinnen und Stifter den Studienstart gemeinsam mit den neuen Studierenden. Mit 49 Einschreibungen wurde deutlich, dass nicht nur vonseiten der Bauindustrie ein großes Interesse an neuen „smarten“ Ingenieurinnen und Ingenieuren besteht, sondern auch bei jungen Studierenden an dem Studiengang. Ihre Beweggründe? Die breite Fächerung des Studiums und die gleichzeitige Spezifizierung, die Kombination unterschiedlicher Fachbereiche sowie das Ziel einer innovativen Gebäudeplanung – Stimmen, die unter den ersten angehenden „Smart Building Engineers“ zu hören waren. 
In diesem Sommer stecken die Studierenden mitten in der Prüfungsphase des zweiten Semesters. Viele von ihnen sehen sich in ihrer Studienfachwahl bestätigt. So auch Markus Többen und Bastian Huber. Beide haben sich nach zwei abgeschlossenen Berufsausbildungen dazu entschieden, den neuen Studiengang der FH Aachen aufzunehmen. „Für mich war in erster Linie die Vielfältigkeit des Studiengangs ausschlaggebend“, erklärt Markus Többen seine Beweggründe, Smart Building Engineer werden zu wollen. Tatsächlich vereint der Studiengang diverse interdisziplinäre Lehrbereiche wie Thermodynamik und Elektrotechnik oder auch Architekturgeschichte, um die künftigen Absolventen ideal auf die Anforderungen der sich ständig verändernden Berufswelt vorzubereiten. „Es kommen gerade im Bereich Gebäudeplanung große Veränderungen, wie das Building Information Modeling, auf uns zu“, so Prof. Döring. Bei dem kurz „BIM“ genannten Verfahren laufen alle planerischen Abläufe der am Bau beteiligten Parteien in einem Programm zusammen. „Das Ganze ist staatlich gewünscht und wird sich in den nächsten Jahren durchsetzen“, erklärt Prof. Döring weiter. Es sei sehr wichtig, jetzt schon die Expertinnen und Experten der Zukunft auf genau diese Veränderungen vorzubereiten und passend auszubilden. 
Diese Aussicht war es auch, die Bastian Huber für das Studium begeisterte: „Ich habe schon eine ganze Weile auf dem Bau gearbeitet und immer wieder die planerischen Schwierigkeiten erlebt, die die aktuellen Verfahren mit sich bringen können“, erinnert er sich. Motiviert davon, dies in Zukunft zu verbessern, habe er sich zu einem Studium an der FH Aachen entschieden. „Dazu kommt, dass wir hier enorm von der Nähe zu den Unternehmen profitieren“, erklärt Huber einen weiteren Vorteil des neuen Studiengangs. „Im ersten Semester gibt es zum Beispiel wöchentliche Expertenvorträge von Bauunternehmen aus der Region. Da kann man früh gute Kontakte knüpfen.“

Unterstützung aus der Wirtschaft
Im August 2016 wurden der Verein AACHEN BUILDING EXPERTS e. V. (ABE) gegründet. Er ist ein Zusammenschluss von führenden Unternehmen der Bauwirtschaft, der beiden Aachener Hochschulen FH und RWTH sowie der IHK und der Handwerkskammer Aachen. Der ABE bietet ein Forum zum interdisziplinären Austausch und Netzwerken zur Förderung von Innovationen im Baubereich und unterstützt den Aufbau langfristiger Forschungskooperationen. Ein maßgeblicher Initiator und aktueller Vorsitzender ist Günther Carpus, Aufsichtsratsvorsitzender der Carpus+Partner AG. Tätigkeitsschwerpunkte des Vereins sind die technische Gebäudeausrüstung (TGA), das BIM, sowie innovative Materialien und Prozesse. Der ABE strebt an, gemeinsam mit seinen Partnerinnen und Partnern sowie Mitgliederinnen und Mitgliedern die Bauwirtschaft für die digitale Zukunft zu rüsten und innovatives Bauen zu fördern. Zu diesem Zweck führt der Verein u. a. systematisch Unternehmen mit Wissenschaftlerinnen und Wissenschaftlerinnen und Studierenden zusammen. Aktuell hat der Verein über 80 Mitglieder, darunter Carpus+Partner, formitas, Drees & Sommer, Goldbeck, kadawittfeldarchitektur, Nesseler Grünzig und Siemens. liNear ist dem Verein Ende 2017 beigetreten. Die Anregung für den neuen Studiengang geht zurück auf den ehemaligen Präsidenten der Industrie-und Handelskammer Aachen Bert Wirtz. Und nicht nur bei der FH Aachen, sondern auch bei einigen regionalen Unternehmen stieß sie auf großes Interesse. So schlossen sich das Ingenierbüro BFT Cognos GmbH, die Bauunternehmung Hans Lamers GmbH & Co. KG, das Planungs- und Beratungsunternehmen Carpus+Partner AG, die Bauunternehmung Derichs u Konertz GmbH & Co. KG, die Bauunternehmung Florack Bauunternehmung GmbH, das Ingenieurbüro Kempen Krause Ingenieure GmbH, das Bauunternehmen Lambert Schlun GmbH & Co. KG und die Bauunternehmung nesseler bau gmbh zur Stiftung Smart Building zusammen.

Julia Bäumler und Johannes Poth | Team Pressestelle FH Aachen